Erika Sudau                  Therapieformen                   Spirituelle Begleitung                  Seminare                   Kreatives Schreiben   
Spirituelle Praxis

Aufstellungen

Zielorientiert statt problemorientiert

Das vorrangige Ziel und der Schwerpunkt bei dynamischen Aufstellungen ist, das Problem zu lösen, also lösungsorientiert zu arbeiten. Nicht etwa es in seinen Einzelheiten genau zu erkennen, zu analysieren und das Problem um des Problems willen in allen seinen Varianten zu beleuchten. Es geht in erster Linie um die Heilung, die Synthese, die Integrationsarbeit.

Wenn einmal die wichtigsten Aspekte eines Problems gefunden sind, so wird sofort und unmittelbar, also ohne weitere Diskussion oder Erklärung, der Prozess der Transformation und Heilung eingeleitet.


Aufstellungsarten

1.  Familienaufstellung
2.  Kleine Zielaufstellung
3.  Große Zielaufstellung
4.  Sternaufstellung
5.  Kreisaufstellung

6.  Projektionsaufstellung
7.  Strukturaufstellungen
8.  Teamaufstellung
9.  Problemaufstellung
10. Körperaufstellung
11. Tetralemmaaufstellung
12. Glaubenspolatitätsaufstellung
13. Syllogische Aufstellung
14. Werteaufstellung
15. Drehbuchaufstellung

Eine Systemaufstellung ist eine Übung innerhalb einer in Seminarform angebotenen Veranstaltung und der Oberbegriff für verschiedene Aufstellungsformate, von denen die Familienaufstellung die bekannteste ist. Allen Aufstellungsformaten gemeinsam ist die Vorgehensweise, dass Personen als sogenannte Stellvertreter eine Benennung - (im Sinne von „Vertreter für …") - erhalten, im Raum positioniert werden und im Zuge einer Prozessarbeit nach ihrer Wahrnehmung innerhalb des aufgestellten Systems befragt werden. Ein Kernpunkt des methodischen Vorgehens bei der Durchführung von Systemaufstellungen ist es, insbesondere solche Systemdynamiken durch die Aufstellungsmethode zu betrachten, die durch logisch-rationale Erwägungen i.a. weniger effektiv erfahrbar gemacht werden können. Zielsetzungen können dabei auch allgemeine Klärungsanliegen oder Fragen zum Management und Selbstmanagement innerhalb sozialer Systeme (z. B. bei Fragen aus dem beruflichen Kontext) wie z. B. bei Organisationsaufstellungen oder Strukturaufstellungen sein. Bei Drehbuchaufstellungen wird z. B. die Publikumswirksamkeit oder auch Stimmigkeit literarischer Werke durch den jeweiligen Autor erörtert bzw. hinterfragt. Bei allen Systemaufstellungen wird davon ausgegangen, dass die Vertreter in dem so aufgestellten System Aussagen machen (können), die den Aussagen bzw. Dynamiken des realen Systems nahe kommen und so eine Hilfe für Entscheider darstellen.


Systemische Strukturaufstellungen (SySt) ist der Name für eine Aufstellungsform, bei der neben menschlichen auch abstrakte Systemelemente (z. B. Ziele, Hindernisse, Ideen) berücksichtigt werden können. Personen (Repräsentanten) übernehmen dabei die Rolle der einzelnen Systemanteile und werden so aufgestellt, wie sie aus Sicht des Aufstellers der Position im System entsprechen. Durch die Empfindungen der aufgestellten Personen kann so ein Verständnis für das gesamte System entstehen. Durch Veränderungen im aufgestellten System können Lösungen zu Problemsituationen ausprobiert und erarbeitet werden.

Eine Teamaufstellung ist eine Spezialform einer systemischen Aufstellung bei der die Mitglieder eines Arbeitsteams im Raum aufgestellt werden um die Beziehungsdynamik innerhalb des Teams zu veranschaulichen. Es kann zwischen teaminternen Aufstellungen (bei denen die Teammitglieder für sich selbst stehen) und solchen, bei denen die Teammitglieder durch Vertreter repräsentiert werden unterschieden werden.

Beispiele

Problemaufstellung

Diese Form der Aufstellung kann für unterschiedlichste Arten von Problemlösungen eingesetzt werden. Dabei werden folgende Systemelemente aufgestellt:
Fokus - Träger des Problems (z. B. eine Person oder eine Gruppe), Ziel - das, was (zur Zeit) nicht erreicht werden kann, Hindernisse - das, was sich der Zielerreichung in den Weg stellt, Ressourcen - das, was nötig ist, um eine Lösung zu erreichen, Gewinn - der Nutzen, der resultiert, wenn das Problem bestehen bleibt (z. B. solange das Problem da ist, braucht man nichts zu ändern), Zukünftige Aufgabe - das, was zu tun ist, wenn das Ziel erreicht ist.

Tetralemmaaufstellung

Diese Aufstellungsform kann bei der Lösung von Dilemmas eingesetzt werden. Ein Dilemma zeichnet sich dadurch aus, dass keine Entscheidung zwischen zwei Optionen getroffen werden kann. Diese beiden Optionen werden im Tetralemma als „Das Eine" und „Das Andere" aufgestellt. Erweitert wird dies durch die weiteren Elemente „Keines von Beiden" und „Beides". Hinzu kommt noch ein fünftes Element, die sogenannte „Nicht-Position". Als Repräsentant für den Klienten wird das Element „Fokus" aufgestellt.
Während der Aufstellung wird die Sichtweise zum Entscheidungsproblem (zwischen den Elementen „Das Eine" und „Das Andere") erweitert, indem die zwei weiteren Elemente („Keines von Beiden" und „Beides") einbezogen werden. Dadurch wird die anfängliche „Entweder - Oder"-Sichtweise erweitert. Eine Musterunterbrechung ist erreicht, wenn der Fokus durch einen sogenannten „kreativen Schritt" eine völlig neue Position einnehmen kann - die „Nicht-Position".
Grundlage für die Tetralemmaaufstellung bildet die indische Argumentationsform des Tetralemmas. Diese wurde bei Gericht verwendet, um eine Klärung zwischen den Positionen des Klägers und des Angeklagten zu erreichen. Neben den Möglichkeiten, dass einer von beiden recht hat, wurde so auch in Betracht gezogen, dass entweder beide oder keiner von beiden recht hat. Diese Argumentationsstruktur wurde von Nagarjuna, einem buddhistischen Gelehrten, um eine fünfte Position erweitert. Diese wird in der buddhistischen Logik als vierfache Verneinung bezeichnet (sie entspricht in der Tetralemmaaufstellung dem Element „Nicht-Position").


Körperaufstellung

Dabei werden Vertreter für Körperelemente (z. B. Krankheiten, Körperteile oder innere Organe) aufgestellt. Erweitert werden kann die Aufstellung um äußere Einflüsse und Hilfsmittel (z. B. Medikamente, Behandlungen). Zusammenhänge und Einflüsse können so während der Aufstellungsarbeit besser erkannt werden. Eine Körperaufstellung ist kein Ersatz für eine medizinische Behandlung, kann diese aber unterstützen.


Glaubenspolaritätsaufstellung

Es werden die Elemente „Erkenntnis", „Liebe" und „Ordnung" in Form eines Dreiecks aufgestellt. Ziel der Aufstellung ist die Nutzung dieser Elemente als Kraftquelle für den Klienten, für den das Element „Fokus" aufgestellt wird. „Glaubenssätze", die den Klienten belasten, werden am Beginn der Aufstellung durch den Fokus ausgesprochen. Während der Aufstellungsarbeit wird der Fokus oft zu diesen Glaubenssätzen befragt. Der Klient kann dadurch beobachten in welchen Situationen und bei welchen Ritualen diese Glaubenssätze besonders stark vorhanden sind und wie sie sich verändern.

Syllogische Aufstellung

Diese Aufstellungsform kann zur Überprüfung von Vorurteilen und erstarrten Haltungen angewendet werden. Dabei werden zum Beispiel die Elemente „Immer", „Nie", „Manchmal" und „Manchmal nicht" aufgestellt. Grundlage bildet das syllogische Quadrat der aristotelischen Logik, die dieser Aufstellung auch den Namen gab. Ein anderes Beispiel: „Alle", „Keine", „Einige", „Einige nicht"

Werteaufstellung

Abgeleitet aus der Syllogischen Aufstellung zeigt Varga von Kibéd auch die ethische Seite der aristotelischen Logik im sog. Wertequadrat auf. Dabei stehen zwei Werten (z.B. „Respektvoller Umgang" und „Direktes, persönliches Feedback", die in einem positiven Spannungsverhältnis stehen, zwei Übertreibungen (in diesem Beispiel „Fried-Höflichkeit" und „Streitlust/destruktive Kritik") gegenüber.

Drehbuchaufstellung

Diese Aufstellung wird zur Entwicklung und Überarbeitung von Drehbüchern verwendet. Im Gegensatz zu anderen Aufstellungen ist hier die schnelle Lösung von Konflikten und Problemen nicht vorrangiges Ziel. Bei Drehbüchern sind oft gerade versteckte Probleme und tiefe Konflikte besonders interessant und für die Handlung von großer Wichtigkeit. Speziell bei dieser Aufstellung wird die Methode der „spontanen Veränderung" der Repräsentanten eingesetzt. Dabei verändern die Repräsentanten zeitgleich ihre Position geringfügig in die Richtung, die ihnen passend erscheint. Danach wird die Veränderung des Gesamtsystems analysiert.
Man spricht von einer Metaaufstellung, wenn eine Aufstellung innerhalb einer anderen Aufstellung durchgeführt wird. Beispielsweise kann im Rahmen einer Tetralemmaaufstellung ein Kontext eröffnet werden, der es notwendig macht, innerhalb dieser Aufstellung eine weitere Aufstellung (z. B. eine Familienaufstellung) durchzuführen.

Quellen

Für alle Begriffe und Namen können Sie Erläuterungen und Definitionen bei wikipedia im Internet finden!

Die Arbeit an Systemischen Strukturaufstellungen hat vier Quellen:

·  die Arbeit mit "Rekonstruktionen" und "Skulpturen" von Familien bei Virginia Satir (1916-88),
·  die Ericksonsche nach Milton Erickson Hypnotherapie, die insbesondere wertvolle Impulse für die Verwendung von Sprache    bei Strukturaufstellungen liefert,
·  Familienaufstellungsarbeit mit den Wurzeln bei Thea Schönfelder, Ruth McClendon und Les Kadis, von denen Bert Hellinger    das Verfahren übernahm und in wichtigen Punkten weiterentwickelte,
·  die lösungsfokussierte Methode der Psychotherapie der Schule von Milwaukee, die auf Ideen von Steve de Shazer und    Insoo Kim Berg beruht.

Darüber hinaus fließen immer wieder zentrale Gedanken der Philosophen und Sprachwissenschaftler Ludwig Wittgenstein, Charles S. Peirce, Alfred Korzybski und Gregory Bateson, aber auch kanonische Formen der Psychotherapieform des Psychodramas nach Jacob L. Moreno in die Arbeit ein.