Grundprinzipien der Naturheilkunde - Homöopathie

1. Arzneimittelbild und Arzneimitttelprüfung

Die Homöopathie beruht auf dem Prinzip, daß ein Stoff die Krankheit heilen kann, die der Stoff auch erzeugen kann.
Das heißt, jeder Stoff hat ein Doppelgesicht: er ist Arznei und Gift zugleich.

Die Dosis allein entscheidet, ob ein Stoff Gift oder Arznei ist. Entscheidend für den arzneilichen Einsatz ist also das Wissen über alle möglichen Symptome - Veränderung an Leib, Seele und Geist eines gesunden Menschen, den eine Arznei auslösen kann.

Die Arzneimittelprüfung (AMP) an gesunden Versuchspersonen ist seit Hahnemanns Selbstversuch mit Chinarinde, die wichtigste Wissensquelle der Arzneimittelbilder.

Bei der Arzneimittelprüfung wird von einem/r Prüfungsleiter/in eine nach Alter und Geschlecht breit gestreuten Prüfungsgruppe, der zu prüfende Arzneistoff in verschiedenen Potenzen gegeben und zwar in ständiger Wiederholung über einen längeren Zeitraum. Die Versuchsperson und der/ die Versuchleiter/in, protokollieren alle subjektiv empfundenen und objektiv festgestellten Symptome.

Alle Symptome zusammen ergeben das
Arzneimittelbild (AMP).

Die alphabetische Auflistung der Bilder wiederum ergibt das Arzneimittelverzeichnis, die "Materia Medica".
Das Arzneimittelbild erschließt sich aber nicht ausschließlich aus deren Arzneimittelprüfung, sondern auch z.B. aus der Toxikologie.

Eine Arzneimittelprüfung kann, da sie ja von der Dosis sehr gering gewählt wurde, nie zu einem Organschaden führen. Alle Symptome, die bei einer Prüfung festgestellt werden, klingen in der Regel wieder ab ( einige wenige Ausnahmen sind jedoch bekannt).

Vergiftungen sind in verschiedenen Toxikologiebüchern aufgeführt und stammen praktisch aus der Klinik. Diese ist ein Verfahren, das schon Hahnemann anwandte.
Desweiteren bezieht sich das Arzneimittelbild auf die Beobachtungen aus der Praxis.

Neben denen in der Praxis am Patienten bestätigten Prüfungssymptomen wurden auch die direkt am Patienten beobachteten Symptome in die Arzneimittellehre aufgenommen.
Dies jedoch nur, wenn die Symptome bei gleichen Arzneimitteln immer wieder festgestellt werden konnten.

Unter diese Gruppe fallen die Symptome und Merkmale der Konstitution. Bei der Beschreibung der AMB fällt auf, daß hier nicht nur körperliche oder geistige Symptome aufgezählt werden, sondern auch äußerliche Erscheinungen wie Haarfarbe, Augenfarbe oder Charakterzüge.

Obwohl eine Arzneimittelprüfung z.B. keine Fettsucht oder ein helles Haar hervorrufen kann, wurde beobachtet, daß Patienten deren Symptome, denen von Phosphor entsprechen, fast immer schlanke, hochgewachsene, asketische Menschen sind.

Dies bedeutet:
Menschen, die relativ schlank und groß sind, schlacksig aussehen und zu schreckhaften Reaktionen neigen, ganz gut im Krankheitsfalle auf Phosphor (als homöopathisches Mittel) reagieren.
Dunkelhaarige Menschen, die leicht erregbar aber eigentlich nicht besonders ängstlich reagieren, sind besonders empfänglich für das homöopathische Mittel Belladonna. Aber auch bei diesen Konstitutionstypen gibt es Ausnahmen.

Die Bedeutung der Konstitution
Unter Konstitution wird die angeborene, geistige und seelische Verfassung und Reaktionsweise eines Individuums bzw. angeborene und erworbene Tendenz des Krankheitsverlaufes verstanden. Die Besonderheit der Konstitution ist das Erscheinigungsbild des Individuums.

Verschiedene Patienten, die unter ein bestimmtes Typenbild fallen, neigen auch zu entsprechenden Krankheiten, den sogenannten Konstitutionskrankheiten. Die bekannteste Einteilung der Konstitutionstypen beim Menschen ist die Einteilung nach Kretschmer:

der leptosome Typ
Er ist schlank, introvertiert und empfindsam. Diese Typen neigen häufig zu Krankheitszuständen der Hypotonie, Erkrankungen der Atemwege und des Magen-Darm-Traktes.

der athletische Typ
Er ist kräftig gebaut und neigt zu cholerischen Anfällen. Der athletische Typ hat eine Neigung zur Hypertonie, Herzerkrankungen sowie zu Hirninfarkt.

der pygnische Typ
Er ist rundlich, dicklich und meist extrovertiert. Der pygnische Typ neigt zu Störungen der Stoffwechselorgane wie Leber, Niere, Steinleiden, Gicht und Diabetes mellitus.

In der Homöopathie kennen wir zahlreiche Konstitutionstypen, die sich aus dem entsprechenden Arzneimittelbild ergeben.
Es gibt homöopathische Mittel, die nur auf ein Organ oder Organsystem wirken, andere wirken auf das ganze Individuum ein.
Diese Arzneimittel werden Konstitutionsmittel genannt. Hierzu gehören z.B. Silicea, Calciumcarbonicum, Phosphorus, Belladonna, Lycopodium, Arsenicum album.

Bei den Arzneimittelprüfungen und insbesondere während des praktischen Einsatzes der Arzneien wurde festgestellt, daß bestimmte Typen, die sich in Konstitution und Temperament sehr ähnlich waren, ganz besonders empfindlich bzw. gut auf bestimmte Arzneien reagierten.
So ergaben sich dann z.B. der Sulfurpatient, der Pulsatillapatient usw.

Immer wieder wurde beobachtet, daß Sulfurpatienten ähnliche äußere Merkmale zeigen, was sich bei Beobachtungen von hunderten von Patienten bestätigen ließ. Schon Hahnemann fielen diese charakteristischen Merkmale auf.

Hahnemann beschreibt diese Merkmale in seiner "Reinen Arzneimittellehre", unter anderem bei Nux vomica und Pulsatilla. Für den Menschen sind diese Konstitutionsmittel bzw. Typen sehr genau beschrieben.

Diese Unterscheidungsmerkmale kristallisieren sich durch den größer werdenden Einsatz homöopathischer Mittel immer genauer heraus, so daß auch die Arzneimittelbilder für Menschen immer besser und vielzähliger werden.

Der Konstitutionstyp ist jedoch nur ein Hilfsmittel bei der Arzneimittelwahl. Primär sucht der homöopathische Behandler (entsprechend der Simileregel) die Arznei nach Symptomähnlichkeit aus.

Der Typus (die Konstitution) gibt also nur Hinweise wie z.B.:
dieser Mensch könnte von der Konstitution her Calcium carbonicum gebrauchen usw.

Der Typ wird zum einem nach seinen äußeren Merkmalen bestimmt (z.B. schlank, adipös, helle oder dunkle Haare, hoch gewachsen oder eher gedrungen) sowie auch nach seinem Verhalten. Daher ist es besonders wichtig zu beobachten, ob Menschen sehr ängstlich oder vertrauensvoll reagieren.

Beispiel: Reagieren die Menschen eher lebhaft oder zurückhaltend auf den Untersucher?
Bei Allergien, Streß oder Störungen eines Menschen in seinem sozialen Umfeld welches zudem auch noch ein Ekzem entwickelt oder Schlafstörungen zeigt (läuft Nachts umher), kann Sulfur in der richtigen Gabe (Potenz) alle Symptome ausheilen.
Scheinbar wie bei einer "Kettenreaktion" löst Sulfur dann auch andere Probleme des Menschen (z.B. eine wiederkehrende Magenschleimhautentzündung die sich durch häufiges Erbrechen ausdrückt oder das cholerische Temperament des Menschen wird gemildert) wobei grundsätzlich der Charakter eines "Sulfurmenschen" unverändert bleibt.

2. Die Simileregel

Die Simileregel ist der zentrale Ausgangspunkt der Homöopathie. Hierauf baute Hahnemann sein ganzes Lehrgebäude auf.

Wie oben bereits erwähnt, soll in der homöopathischen Behandlung Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden. Dazu sollte die Gesamtheit der Anzeichen und Symptome einer Krankheit mit dem der verschiedenen Arzneimittelbilder verglichen werden.
Die weitgehendste Ähnlichkeit bestimmt dann die Arznei - das Simile. Hahnemann schrieb dazu in seinem "Organon":

Wähle, um sanft und schnell, gewiß und dauerhaft zu Heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden (homoios pathos) für sich erregen kann, als sie heilen soll."

3. Symptomatologie
( Erhebung des individuelle Krankheitsbildes)

Um zur richtigen Arzneimittelwahl zu gelangen, stützt sich die Homöopathie auf die Symptome (Erscheinungen), die von der Krankheit gesamtheitlich ausgehen.
Krankheitssymptome sind Besonderheiten, die wir an Menschen sehen, hören, tasten, riechen, oder durch besondere Untersuchungsmethoden feststellen können, welche im gesunden Zustand nicht vorhanden sind.

Man unterscheidet hier zwischen :

pathognomonischen Symptomen, die über eine klinische Diagnose deutlich werden

individuelle Symptome, die durch die persönliche Reaktionsweisen des Patienten (in Auseinandersetzung mit seiner Krankheit) zum Ausdruck kommen

Bei den individuellen Symptomen wird desweiteren zwischen den Begleit- und den Schlüsselsymptomen differenziert.Die Schlüsselsymptome sind die Leitsymptome der Arznei und führen zur Similefindung.

Die Prozessorientierte Homöopathie

Bei der prozessorientierten Homöopathie handelt es sich nicht um eine neue Art der Homöopathie, sondern vielmehr um eine Interpretation der klassischen Homöopathie, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat.
Diese Entwicklung wurde dadurch ausgelöst, dass mit Hilfe der Methoden der klassischen Homöopathie zwar auftretende Symptome behandelt werden konnten, doch der Heilungseffekt nur für kurze Zeit eintrat.
Der Grund dafür war, dass der innere Widerstand des Patienten bei der Behandlung unberücksichtigt blieb. Somit wurde die Homöopathie mit Hilfe von Erkenntnissen aus der Praxis erweitert.

Wie bei allen homöopathischen Methoden ist die Betrachtung aller Symptome, die der Patient aufweist, ein wichtiger Teil der prozessorientierten Homöopathie, da durch diese der Homöopath auf die benötigte Arznei, die dem Gesamtbild am ähnlichsten ist, schließen kann.
Aber im Gegensatz zu der klassischen Richtung wird hier auch die "Bewegung" (der "Prozess") mit einbezogen, das heißt, dass auf das Ziel der Krankheit geachtet wird.
Noch wichtiger als das Verständnis der Gesamtheit der Symptome ist die Erkenntnis, die aus dieser Bewegung gewonnen werden kann. Die Symptome sind nur Anzeichen für die innere Auseinandersetzung, die zeigen, dass der menschliche Organismus mit den Krankheitserregern in Beziehung getreten ist. Sie sind mehr als eine Erscheinung, die von Viren etc. hervorgerufen wird.
Doch nicht nur die Prozesse im Patienten werden bei der prozessorientierten Homöopathie betrachtet, sondern es wird ebenfalls die Frage nach den Prozessen im Behandelnden gestellt. Diese beginnen schon mit dem ersten Eindruck, den der Homöopath vom Patienten hat, und werden im Laufe der Behandlung immer konkreter.
Der Homöopath ist hierbei nicht nur dafür zuständig die richtige Arznei zu finden; er gibt seinem Patienten eine Hilfestellung zur Persönlichkeitsentwicklung.
Die Lebenskraft des Patienten soll positiv beeinflusst werden mit Hilfe einer psychotherapeutischen Betreuung des Heilungsprozesses. Dies ist nach Vorstellung der Vertreter der prozessorientierten Homöopathie der einzige Weg, um Krankheitsauslöser richtig und vor allem langfristig zu beseitigen.
Der Patient sollte lernen sowohl für sich, als auch für seine Krankheit, Eigenverantwortung zu übernehmen. Es werden das persönliche Umfeld und Unterbewusstes (Träume, Fantasien) mit in die Therapie einbezogen. Der Heilungsprozess geht jedoch über die persönliche Ebene hinaus, da die Krankheit auch eine kollektive Ebene umfasst.

Im Verständnis der prozessorientierten Homöopathie kann der Heilungsprozess in vier Teilschritte eingeteilt werden:

Zuerst wird Kontakt zu den Teilpersönlichkeiten, die jeden Menschen zu dem machen, der er ist, aufgenommen, um sie im zweiten Schritt zur Harmonie zu führen.
Dann können die Teilpersonen harmonisch Kontakt zueinander aufnehmen, um sich schließlich dem Dienst am Menschen "unterzuordnen".


   Erika Sudau                  Therapieformen                   Spirituelle Begleitung                  Seminare                   Kreatives Schreiben   

Was ist Homöopathie?

Homöopathie bedeutet Heilung nach dem Ähnlichkeitsgesetz.
Dieses Gesetz besagt, dass ein homöopathisches Arzneimittel Symptome, die dieses Mittel bei einem gesunden Menschen hervorruft, bei einem kranken Menschen heilt.
In der Schulmedizin (Allopathie) wird eine Arznei gegen eine bestimmte Beschwerde verordnet. Setzt man dort ein fiebersenkendes Mittel gegen Fieber ein, so verordnet man in der Homöopathie ein Arzneimittel, das beim gesunden Menschen Fieber erzeugen würde. Dieses Mittel wirkt heilend beim kranken Menschen, da es eine Immunreaktion erzeugt und die Selbstheilungskräfte des Körpers anregt statt Symptome zu unterdrücken. Begründet wurde die Homöopathie vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843).

Spirituelle Praxis